Uther Pendragon riss die Augen auf. Er lag nicht in einer Gruft, sondern in einem Himmelbett, das nach Lavendel und „innerem Frieden“ duftete.
„Arthur!“, brüllte er und wollte nach seinem Schwert greifen, doch anstelle von kaltem Stahl berührte er einen flauschigen Kristall, der sanft anfing zu leuchten und beruhigende Walgesänge abspielte.
Die Tür schwang auf. Arthur trat herein, trug aber keine Rüstung, sondern eine locker sitzende Robe aus Bio-Leinen. Um seinen Hals hingen Druiden-Amulette, die so hell funkelten, dass Uther blinzeln musste.
„Guten Morgen, Vater“, sagte Arthur und machte eine kleine, fließende Verbeugung. „Dein Chakra war heute Morgen etwas unruhig, deshalb haben die Waldgeister dir ein bisschen länger Schlaf gegönnt.“
Uther starrte ihn an, sein Gesicht nahm die Farbe einer überreifen Aubergine an. „Waldgeister? Chakra? Wo ist mein Henker?! Ich will jemanden verbrennen sehen!“
Arthur seufzte mitleidig. „Wir verbrennen jetzt keine Menschen mehr, Vater. Das ist so… fünftes Jahrhundert. Wir verbrennen jetzt nur noch heiliges Salbei zur energetischen Reinigung des Thronsaals.“
Uther stolperte zum Fenster und riss es auf. Unten im Hof sah er Ritter Percival, der nicht etwa mit dem Schwert trainierte, sondern mit einem jungen Zauberer Yoga machte. Ein kleiner Drache flog vorbei und lieferte die Post aus.
„WARUM FLIEGT DA EIN DRACHE?!“, kreischte Uther.
„Das ist der neue Express-Dienst von Emrys“, erklärte Arthur geduldig. „Mein Bruder-Monarch hat das Logistiksystem revolutioniert. Er sitzt übrigens gerade unten in der Küche und macht Avocado-Toast. Er hat dich zum Brunch eingeladen. Wir wollen über unsere Gefühle sprechen.“
Uther hielt sich am Fensterbrett fest, um nicht in Ohnmacht zu fallen. „Brunch? Gefühle? Arthur, ich habe dich erzogen, Magie auszurotten! Ich habe hunderte Hexen gejagt!“
„Ja, das war eine sehr toxische Phase von dir, Vater“, sagte Arthur und legte ihm sanft eine Hand auf die Schulter. „Aber Emrys hat mir geholfen, mein inneres Kind zu heilen. Er sagt, dein Hass war eigentlich nur ein Schrei nach Liebe. Er möchte dir heute Nachmittag eine magische Akupunktur geben, um deine Blockaden zu lösen.“
„Ich werde ihn töten!“, tobte Uther und wollte aus dem Zimmer stürmen, doch die Türgriffe waren aus lebendem Holz und wuchsen einfach zusammen, um ihn sanft, aber bestimmt daran zu hindern.
„Die Tür braucht gerade eine Auszeit“, sagte Arthur ruhig. „Trink erst mal deinen Tee. Er wurde von Jungfrauen bei Vollmond gepflückt und mit positiven Affirmationen besprochen. Er heißt ‚Lächeln des Einhorns‘.“
Uther schaute in die Tasse, in der kleine, magische Glitzerpartikel in Form von Herzen schwammen. Er sank auf sein Bett zurück, während im Hintergrund die Walgesänge lauter wurden.
In diesem Moment wusste Uther Pendragon: Der Tod war definitiv die angenehmere Option gewesen.